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FLUT Erster Teil, Folge 5/49

Bild von Denkfabrikat

[Zum Artikel] Es war nicht oft vorgekommen, dass Madeleine Cranach ihren Sohn hatte weinen sehen. Eigentlich war  es fast noch nie passiert. So deutlich bewusst wurde ihr das, als sie eines Abends nach der Arbeit nach Hause kam und ihren neunjährigen Sohn, Tränen überströmt, zusammengekauert im Wohnzimmer sitzen sah. Es brach ihr fast das Herz. Ansonsten war er es, der sie trösteteund obwohl er noch so jung war, kam es ihr oft vor, als wäre er der Erwachsenere von ihnen beiden. Aber an jenem Abend war er nur ein verängstigtes, weinendes kleines Kind.
Sie nahm ihn in ihre Arme und trug ihn hoch in sein Zimmer, legte ihn ins Bett und sang ihm etwas vor, wie sie es gemacht hatte, als er noch so klein war, dass er noch nicht mal sprechen konnte und als sie es endlich geschafft hatte den Jungen einigermaßen zu trösten und er kurz vor dem Einschlafen war, sah er sie an und sagte:
„Mama, ich glaube ich habe etwas Schreckliches gemacht!“
Er sagte das so ernst, und mit so einer Überzeugung in der Stimme, dass es ihr auf der Stelle ganz mulmig zumute wurde.
„Hast du etwas geklaut, mein Schatz?“
Er schüttelte den Kopf. Dann deutete er mit seiner Hand an, sie solle näher zu ihm herankommen und sie beugte ihren Kopf tief über seinen, dann flüsterte er ihr etwas ins Ohr und Madeleine erstarrte zu Eis. Die Worte klangen in ihr nach.
„Ich glaube, ich habe getötet, Mama!“
Sie brauchte eine Weile, bis sie sich wieder unter Kontrolle hatte, dann beugte sie sich jedoch wieder zu ihm herunter, wischte ihm seine Tränen aus den Augen und sagte:
„Ach Unsinn, du hast wahrscheinlich nur schlecht geträumt.“ Er sah sie an, mit seinen tiefen braunen Augen und sie wusste, dass er die Wahrheit sagte.
Es war einiger der vielen Augenblicke, wo sie seinen Vater brauchte. Sie war mit diesem Kind, das alles zu wissen schien, dass sich nie benahm wie ein Kind, das malen konnte wie ein erwachsener Künstler schlicht und einfach überfordert.
„Versuch jetzt zu schlafen, mein Schatz“, sagte sie. Plötzlich hielt sie seine Gegenwart auch nicht länger aus. Seine Augen, die sie so hilfesuchend ansahen. Hilfe, die sie ihm nicht geben konnte.
Ich glaube ich habe getötet, Mama. Sie schauderte und ging nach unten. Dort nahm sie die Flasche Korn, aus der kleinen Vitrine, die sie immer gut verschlossen hatte und trank einen großen Schluck, direkt aus der Flasche. Das beruhigte sie aber nur für wenige Augenblicke.
Ich muss mit dem Jungen zu einem Arzt, dachte sie. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich brauche professionelle Hilfe.
Er war noch nie normal gewesen, aber jetzt machte er ihr Angst. Hatte ihr kleiner Sohn jemanden getötet? Das konnte sie sich einfach nicht vorstellen, aber sie wusste trotzdem, dass er die Wahrheit gesagt hatte. Er hat in seinem ganzen Leben genauso oft gelogen, wie geweint, dachte sie dann und sie schauderte erneut. Sie zwang sich noch einmal nach oben zu gehen und nach ihm zusehen. Er war eingeschlafen, aber er lag nicht so friedlich und still in seinem Bett wie er es sonst tat. Sie konnte fühlen wie angespannt er war. Seine Augenlieder zuckten nervös und seine Hände waren zusammengekrampft. Sie überlegte kurz ihn zu wecken, er hatte sicher einen fürchterlichen Alptraum, dann hauchte sie ihm jedoch nur einen flüchtigen Kuss auf die Stirn und verließ das Zimmer, schloss die Tür hinter sich und ging wieder nach unten. Dort wählte sie die Nummer von Doktor Vestings.



hinzugefügt 22.06.2010 um 19:43 von Fabian

Keines
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